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Vasfiye Özkoçak

Vasfiye Özkoçak

Erste Gerichtsreporterin der Türkei
"Erst die Gerechtigkeit macht den Menschen zum Menschen."

Geboren: 1923 1923

Geburtsort: Zile, Tokat

Gestorben: 13/03/2014 2014

In:

Begraben: Karacaahmet Friedhof, Istanbul

Inhalt

Galeri

Vasfiye Özkoçak Vasfiye Özkoçak

Wirkungsbereich

Presse
"Eines Tages rief mich mein Professor Burhan Felek an, um mir in der Zeitung Cumhuriyet eine Stelle anzubieten. So fing ich 1952 an, als Reporterin zu arbeiten. Die Herren Reporterkollegen staunten zunächst sehr darüber. Wie ich später erfuhr, sollen sie unter einander gesagt haben: 'Was hat ein junges Fräulein hier unter Männern zu suchen? Sie soll lieber zu Hause bleiben.' Einige sollen der Meinung gewesen sein, ich würde es nach ein paar Tagen nicht mehr aushalten und weglaufen, andere sollen gemeint haben, ich würde mir einen Mann suchen wollen. Ich würde ihn auch bald finden und gehen.Und so sollen sie viele Jahre lang gedacht haben. Auch wenn sie so gedacht haben: ich fand eben wegen meiner Arbeit nie die Zeit zu heiraten. Der Journalismus, das war mein Leben.
In den ersten Tagen hieß es: 'Du gehst heute zu der Tagung des Kultusministeriums.' Ich ging zu der genannten Adresse. Alles Männer und keiner sah aus wie ein Pädagoge! Bald stellte es sich jedoch heraus: Es war die Tagung der Lastenträger und nicht die des Kultusministeriums. Mich wollten sie nicht hereinlasssen. 'Ich bin Zeitungsreporterin, ich komme von der Cumhuriyet-Zeitung, um über Ihre Tagung zu berichten', stellte ich mich vor.
Sie schauten mich verdutzt an und sagten dann: 'So etwas gibt es doch gar nicht.' Ich erwiederte nur: 'Ich muss meine Arbeit erledigen.", und trat ein. Aber, was sehe ich: Im Saal gibt es Streit! Große, stattliche Männer gingen aufeinander los! Ich geriet dazwischen.
Mit Mühe und Not schrieb ich den Bericht, es wurden Fotos gemacht, meine Arbeit war damit erledigt. Ich benachrichtigte die Redaktion darüber, dass meine Arbeit erledigt wäre und ich zurückkommen würde. 'Nein, nein, bleib da bis zum Schluss', sagte man mir. Als ich am Abend in die Redaktion ging, war mein ganzer Körper rot aufgequollen. Ich hatte Nesselfieber bekommen.
Wie ich später erfuhr, hatten meine Kollegen natürlich gewusst, dass bei der Tagung der Lastenträger immer gestritten wurde.
Sie hatten mich absichtlich dorthin geschickt, um mich so schnell wie möglich loszuwerden.
In der ersten Zeit erlebte ich viele solcher Vorkommnisse. Es gab schon Augenblicke, in denen ich Angst hatte, aber ich ließ sie das nicht merken. Nie habe ich es zugelassen, dass ihre Wünsche in Erfüllung gingen.
Erst vor fünf Jahren hörte ich in einer Ansprache eines Kollegen aus der ehemaligen Zeit: „Was wir auch anstellten, wir konnten sie einfach nicht loswerden."
In der Redaktion musste jeder jede Arbeit erledigen. Unsere Aufgaben wurden in ein Tagebuch eingetragen. Jede/r musste hier nachlesen, was für ihn eingetragen war und die Arbeit erledigen. Damit die Herren Kollegen nicht über mich sagten: „Sie ist eben eine Frau, sie hat keinen Erfolg gehabt", bemühte ich mich sehr.
Ich arbeitete zunächst für die Rubriken Arbeitswelt, Kriminalfälle, Politik und später, von 1955 bis 1993, als Gerichtsreporterin. Ich bin jemand, die sehr viel Wert auf Gerechtigkeit legt, und aus diesem Grund war ich gerne Gerichtsreporterin. Die Gerechtigkeit ist das Fundament des Menschseins. Erst die Gerechtigkeit macht den Menschen zum Menschen.
Eines Tages sagte ein älterer Kollege in der Zeitung, Cevat Fehmi Başkut: 'Seitdem du die Gerichtsreportagen Schreibst, werden keine Geschichten mehr geschrieben, es werden Nachrichtten geliefert'.
Die Rechten hielten mich für eine Linke, die Linken für die Rechte. Dabei war ich nur Journalistin, tat meine Arbeit. Wenn ich einen fehler Fand, hätte ich erbarmungslos darüber geschrieben, selbst wenn mein Vater ihn gemacht hätte.
Die Gegenwart kann man nicht mit der Vergangenheit vergleichen. Zu unserer Zeit war alles knapp, die Umstände waren hart. Es gab keine Frauen in diesem Beruf. Jetzt hat die Zahl der Frauen in diesem Beruf zugenommen, und die Schwierigkeit des Einzigartigseins hat ein Ende. Wir haben damals alles stundenlang mit der Hand geschrieben. Jetzt erreichen die Berichte die Redaktion von Zuhause aus per Mail. Die heutige Generation nutzt die Möglichkeiten, die wir vorbereitet haben, in Verbindung mit dem Neuen, das die neue Epoche und die neue Technologien bieten.
(Vasfiye Özkoçak)

Auszeichnungen

Burhan- Felek-Auszeichnung für Pressetätigkeit, 2003

21. Auszeichnung für erfolgreichen Journalismus/Türkei, 2011

Mitgliedschaften

JournalistInnenverband der Türkei

Föderation der JournalistInnen der Türkei

Gewerkschaft der JournalistInnen der Türkei

Stiftung für Soziale Unterstützung von JournalistInnen, Türkei

Ausbildung

Universität Istanbul, Literatur-Fakultät, Abt. Geografie

Universität Istanbul, Literatur-Fakultät, Institut für Journalismus

Soziales Engagement

JournalistInnenverband Türkei, Gründungsmitglied

Föderation der JournalistInnen, Türkei, Gründungsmitglied

Gewerkschaft der JournalistInnen der Türkei, Gründungsmitglied, Sektionsleiterin

Stiftung für Soziale Unterstützung von JournalistInnen, Türkei, Gründungsmitglied, Leiterin

Verwandte und Freunde

  • Mutter: Rabia Özkoçak
  • Vater: İbrahim Özkoçak (Offizier)
  • Schwestern: Afife Özkoçak, Arife Özkoçak
  • Großvater: Kösekatip Mehmet Efendi (Pädagoge)
  • Befreundet mit: Eleni Küreman (Fotoreporterin), Burhan Felek (Journalist, Schriftsteller), Cevat Fehmi Başkut (Journalist), Apdi İpekçi (Journalist), Doğan Nadi (Journalist), Yaşar Kemal (Schriftsteller)

Projekte zu ihrer Erinnerung

Biographie

Süleyman Boyoğlu, Vasfiye Abla- Gazetecilikte 56 yıl, İstanbul, 2008.

Erinnerungsausstellung

Ausstellung Vasfiye Özkoçak, Universität Istanbul, Fakultät für Kommunikation, 2009

Archiv

Archiv Vasfiye Koçak, Zeitung Milliyet

http://gazetearsivi.milliyet.com.tr/Vasfiye%20%C3%96zko%C3%A7ak/

Dokumentarfilm

Basınımızın kısa tarihi, Regie: Nebil Özgentürk, Cem Hamuloğlu, 2007

Weiterführende Literatur

Qellen

Textquellen
Bildquellen

Übersetzung ins Deutsche: Melek Lanksch-Erbel, Kiel, Deutschland
Redaktion: Hans-Martin Dederding, Erlangen, Deutschland

©2012 Meral Akkent
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