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Zabel Yesayan

Zabel Yesayan

Erste sozialistisch-feministische osmanisch-armenische Anti-Kriegs-Schriftstellerin
"Es ist uns zwar bewusst, dass wir mitten im Krieg sind, wir führen aber unser Leben ruhig und teilnahmslos fort."

Geboren: 04/02/1878 1878

Geburtsort: Üsküdar, İstanbul

Gestorben: 1943

In: vermutlich in Sibirien

Begraben: Nicht bekannt

Inhalt

Galeri

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Wirkungsbereich

Autorin

Zabel Yesayan beschäftigte sich in ihren Schriften mit der Geschlechtergerechtigkeit und analysierte die Diskrepanz zwischen individueller Freiheit und traditionellen Erwartungen der Gesellschaft. Für Yesayans intellektuelle Entwicklung waren die Ansichten der ersten feministischen osmanisch-armenischen Schriftstellerin Sırpuhi Düsap prägend. Yesayan beschreibt in ihrer Autobiographie Silihdari Bardeznerı (Die Silihdar Gärten), den Einfluss der Romane von Düsap in ihrer Jugend auf sie und ihre Versuche, gemeinsam mit den Freundinnen in den Werken der feministischen Autorin einen Ausweg für ihre eigenen Probleme zu finden.

"Als Frau Düsap hörte, ich wäre auch eine Kandidatin auf dem Weg in die Literaturwelt, warnte sie mich und sagte, dass auf diesem Weg für Frauen keine Krone mit Lorbeerblättern zu erwarten sei, sondern nur eine Krone mit Stacheln.
Sie sagte, dass unsere Wirklichkeit es nicht vertragen kann, wenn eine Frau sich profiliert und ihren Anspruch auf einen Platz meldet. Um dies zu erreichen, müsste eine Frau weit über das Durchschnitt hinausgehen, und sie fügte hinzu:Ein Mann kann ein durchschnittlicher Schriftsteller sein, aber eine Frau nie."
Zabel Yesayan
Melissa Bilal, "Pagavan E (Yeter!): Zabel Yesayan'ın Barış Çağrısını Duyabilmek", Kültür ve Siyasette Feminist Yaklaşımlar, März 2009, No: 7.
Zabel Yesayan als Journalistin

Der erste Artikel von Zabel Yesayan erschien 1895 in der Zeitschrift Dzağig. Als sie in Paris studierte, schrieb sie auch in französischen Literaturzeitschriften wie Mercure de France, Humanité Nouvelle, Ecrit pour l'Art, La Grande France und in den armenischen Zeitschriften wie Tzolk, Mer Ugin und Arşav.

Zwischen 1903-1904 Redaktionstätigkeit für den Frauenteil der Zeitschriften Dzağiç in İstanbul und 1911 für die Zeitschrift Arakadz in New York.

Zabel Yesayan als Herausgeberin Editorin
  • 1927-1930 Zeitschrift Yerevan (Erscheinungszeitraum: 1925-1930), Paris
  • Ecrit Pour l'Art, Paris
  • Zeitschrift Aztag, İstanbul
Zabel Yesayan als Kriegsgegnerin
"Überall auf der Welt, unabhängig voneinander entsteht der Wunsch nach Frieden, diese Idee geht um die Welt, ergänzt sich miteinander und bildet ein unwiderstehliches und universelles Ideal. Das ist die große Hoffnung der Menschen, die durch Kriege zwischen den Völkern oder gesellschaftlichen Gruppen ermüdet und entmutigt sind. Ein Waffenstillstand benötigen sowohl die Sieger als auch die Besiegten. (...) Wer ist diejenige, die den Samen aus den vergangenen beklagenswerten Feindseligkeiten aus dem zarten Geist des Kindes austreibt und ihn für einen glänzenden und grenzenlosen seelischen Frieden vorbereitet? Die Mutter.

(...) Das Rückgrat der feministischen Bewegung in Frankreich sind die Frauen, die zusammenkommen, um Frieden durch Bildung zu erreichen und diese Bewegung bestimmt die Richtung der Frauenbewegungen in anderen Ländern mit ihren Filialen und Unterstützerinnen."
Zabel Yesayan
Zabel Yesayan, Gini...Khağağutyan Hamar – Frau... Für den Frieden, 1911.

Eine der von Yesayan erwähnten Vereinigungen war Alliance Universelle des Femmes pour la Paix par l'Education. Sie wurde in Paris von Maria Szeliga (Chélige-Loevy) gegründet, eine feministische Aktivistin in der polnischen sozialistischen Internationale.

Auch Zabel Yesayan war ein Mitglied in der Vereinigung Alliance Universelle des Femmes pour la Paix par l'Education und war daran interessiert, mit Madame Hasan Fehmi eine osmanische Friedensvereinigung zu gründen, in der alle Religionen und ethnischen Gruppen des Reiches vertreten sein sollten. So schrieb sie an ihren Mann in einem Brief vom 6. Oktober 1908, dass sie ihre Pläne bei einem Treffen mit dem Prinzen Sabahattin erklärt hatte und Prinz Sabahattin die Idee, eine Vereinigung für den Frieden zu gründen, mit Begeisterung aufgenommen hätte. Zabel Yesayan fügt hinzu, von Prinz Sabahattin erfahren zu haben, dass auch viele der Prinzessinnen sie dabei unterstützen würden. In einem anderen Brief von 1908 schrieb sie ihrem Mann nach Paris jetzt auch den vorgesehenen Namen des Vereins: Ligue de Solidarité des Dames Ottomanes. Sie bittet ihn, Frau Szeliga zu treffen, um eine Kopie der Satzung der Vereinigung Alliance Universelle des Femmes pour la Paix par l'Education zu bitten und diese Satzung nach İstanbul zu senden.
Melissa Bilal, "Pagavan E (Yeter!): Zabel Yesayan'ın Barış Çağrısını Duyabilmek", Kültür ve Siyasette Feminist Yaklaşımlar, März 2009, No: 7.

Zabel Yesayan Ansichten über den Balkankrieg
"(...) Es ist uns zwar bewusst, dass wir mitten im Krieg sind, führen aber unser Leben ruhig und teilnahmslos fort."
Zabel Yesayan
Zabel Yesayan, Pavagan E (Genug), 1912, s.162.
"(...)Die Katastrophe verbreitet ihre tödlichen Schatten bis in den friedlichsten Häuser der Hauptstadt. (...) Aber jede Familie denkt nur an die eigenen Soldaten und versucht sie von der Todesgefahr fernzuhalten. Und jeder sieht dieses Unglück als eine persönliche Katastrophe an. Niemand betrachtet das Gesamtbild und das Ausmaß des Grauens, niemandem ist es bewusst, dass es wirklich einen Krieg gibt und jede Minute Blut vergossen wird. "
Zabel Yesayan
Zabel Yesayan, Pavagan E (Genug), 1912, s.162, s.164.
"(...) Was kümmern mich die offiziellen oder inoffiziellen Spiele einer betrügerischen Diplomatie? In diesem Moment wird auf beiden Seiten das Blut von Tausenden unschuldiger Menschen vergossen. Menschen von beiden Seiten sollten ‚Genug! Genug!' schreien."
Zabel Yesayan Zabel Yesayan, Pavagan E (Genug), 1912, s. 169.
Zabel Yesayan als antiautoritäre Pädagogin

Rupen Zaryan, ein Student von Zabel Yesayan an der Universität in Jerevan erinnert sich, dass das Aufstehen der StudentInnen als Respektbekundung im Vorlesungssaal die Dozentin Yesayan störte:

"Ich weiß, dass meine Bitte entgegen den Regelungen ist. Aber es stört mich sehr, euch im Stillstand zu sehen. Es ist ein sehr militärischer Akt. Bitte zeigt mir ab jetzt euren Respekt auf andere Weise. Zum Beispiel damit,dass ihr pünktlich im Unterricht zu erscheint."
Melissa Bilal, "Pagavan E (Yeter!): Zabel Yesayan'ın Barış Çağrısını Duyabilmek", Kültür ve Siyasette Feminist Yaklaşımlar, März 2009, No: 7.
Zabel Yesayan als Zeugin

Der Literaturwissenschaftler Marc Nichanian analysiert Zabel Yesayans Buch Averagnerun Meç (Inmitten der Trümmer), das 1911 veröffentlicht wurde, wie folgt:

"War es ein literarisches Werk oder ein Tagebuch oder gar eine Reportage? Der Begriff 'Zeugenliteratur' oder das Wort 'Zeugen' (in Armenisch vgayutyun) existierte in jenen Tagen nicht. Aber das Buch Averagnerun Meç (Inmitten der Trümmer) ist ein Buch, das genau in diese Gattung von Zeugenliteratur gehört. Es ist ein Zeugenbuch und es ist ohne Zweifel das einzige Werk in armenischer Sprache, in dem Zeugenschaft in Literatur umwandelt wurde.
Zabel Yesayan war bereits 1909 eine berühmte Schriftstellerin, die viele Romane veröffentlicht hatte. In der Hoffnung, eine Rolle bei der Erneuerung des Landes zu spielen, entschied sie sich 1908, nach Istanbul zurückzukommen. Bis dahin pendelte sie zwischen Istanbul und Paris, weil ihr Mann und ihre Kinder in Paris lebten. Yesayan ging Ende Juni 1909, zweieinhalb Monate nach dem Massaker in Adana, im Auftrag des armenischen Patriarchen mit der zweiten Delegation, die aus Mitgliedern der kulturellen und politischen Elite zusammengesetzt war, nach Kilikien. Ihre Aufgabe war, für Waisenkinder zu sorgen."

Zabel Yesayan verbringt ab Juni 1909 drei Monate auf Reisen in der Gegend von Adana, Mersin und Kilis. Ende September kehrt sie nach Istanbul zurück und arbeitet eineinhalb Jahre lang an dem Buch "Inmitten der Trümmer".

(...) 'Falls es mir gelingt, die Katastrophe dieser Menschen zu beschreiben, die wegen Blut und Feuer ihren Verstand verloren haben, dann habe ich für das Land meine Pflicht getan.'
Zabel Yesayan

Yesayan will das grenzenlose Leid, dessen Zeugin sie war, den Mitgliedern der eigenen Gemeinde zu erzählen, aber auch den muslimischen TürkInnen, die nichts davon wissen. Sie ist besorgt, dass Argwohn und Misstrauen zwischen TürkInnen und ArmenierInnen entstehen kann. Ihr Anliegen ist die Schaffung eines gemeinsamen Lebensraumes.

Als Yesayan im Jahr 1912 Flüchtlinge aus dem Balkan-Gebiet in Istanbul sah, notiert sie:

"Sie wurden verdrängt und zu Flüchtlingen gemacht. Was ist das Gemeinsame zwischen uns? Was macht uns ähnlich? Der Ausdruck voller Angst auf ihren Gesichter lässt meinen tiefen Schmerz, der gerade zu erlöschen begann, wieder aufflammen. "
Zabel Yesayan Melissa Bilal, "Pagavan E (Yeter!): Zabel Yesayan'ın Barış Çağrısını Duyabilmek", Kültür ve Siyasette Feminist Yaklaşımlar, März 2009, No: 7.
Publikationen von Zabel Yesayan
  • Isbasman Srahin Meç (Im Wartezimmer), der erste Roman von Zabel Yesayan, 1903, Veröffentlichung in der Zeitschrift Dzağig als Feuilletonfortsetzung.
  • Hılunen yev Imposdnen (Die Gefügigen und die Rebellen), 1906.
  • Geğdz Hancarner (Die falschen Genies, 1909) als Feuilletonfortsetzung. Da sie im Roman die armenischen intellektuellen kritisierte, wurde wegen Protesten die Veröffentlichung wieder gestoppt. Der Roman wurde später als Buch herausgegeben.
  • Averagnerun Meç (Inmitten der Trümmer,1911).
  • Pavagan E (Genug), vermutlich 1912 verfasst. Die erste Veröffentlichung 1922 in der Zeitschrift Arek in Wien und in Berlin als Feuilletonfortsetzung. 1925, Aufnahme in die zweite Auflage des Sammelbands Yerp Aylevıs Çen Sirer Koğı Veb, İstanbul.
  • Joğovurti Mı Hokevarkı (Der letzte Atemzug eines Volkes), 1917
  • Verçin Pajagı (Letztes Glas), 1917
  • Muradi Camportutyunı Svazen Tebi Batum (Murads Reise von Sivas nach Batum), Boston, 1920.
  • Hokis Aksoryal (Seele im Exil) Wien, 1922.
  • Nahançoğ Ujen (Zurückgezogene Kräfte), Berlin, 1923, als Feuilletonfortsetzung in der Zeitschrift Arek veröffentlicht.
  • Brometeosın Azadakrıvadz (Der befreite Prometheus), Marseille, 1928.
  • Grage Şabig (Das Feuerhemd), Yerevan 1934.
  • Silihdari Bardeznerı (Die Silihdar Gärten), Yerevan, 1935 (autobiyografi).
  • Barba Khachig (Onkel Khaçig), Yerevan, 1966.
  • Silihdar'ın Bahçeleri (Die Silihdar Gärten, eine ins Türkische übersetzte Auswahl von Zabel Yesayans Schriften), Belge Yayınları, İstanbul, 2006.

Auszeichnungen

(Information liegt nicht vor)

Mitgliedschaften

  • Mitglied des Vereins Okulsever Kadınlar Cemiyeti (Verein Bildungsliebende Frauen), İstanbul
  • Mitglied des Vereins Milletperver Ermeni Kadınlar Cemiyeti (Patriathischer Armenischer Frauenverein ), İstanbul
  • Vorsitzende des Vereins Üsgüdari Hay Dignants Ingerutyun (Frauenverein Üsküdar), İstanbul
  • Mitglied der Vereinigung Alliance Universelle des Femmes pour la Paix par l'Education, Paris
  • Mitglied des sowjetischen SchriftstellerInnenverbands, Armenien

Ausbildung

  • Grundschule: Üsküdar Surp Haç İlkokulu
  • Sorbonne, Paris, Literatur- und Philosophiestudium (1895)
  • Zabel Yesayan ist die erste armenische Frau, die studiert hat.

Soziales Engagement

Zabel Yesayan unterstützte die Vereine Dignants Miutyun (Frauenvereinigung), Azkanıver Hayuhyats Ingerutyun (Patriotischer Armenischer Frauenverein), Ashkhadanki Dun (Das Arbeitshaus) und trat in ihren Veranstaltungen als Referentin auf.

  • 1917-1918 Betreuung der Flüchtlinge und Waisenkinder in Baku.
  • 1920-1921 Arbeit in in einem Waisenhaus in Kilikien.
  • 1927- 1933 Aktivitäten in HOG (Hilfskommitee für Armenien), Pariser Zweig.

Familie und Freunde

  • Mutter: (Information konnte nicht ermittelt werden)
  • Vater: Mıgırdıç Hovhannesyan (Tuchdrucker, Yazma-Meister)
  • Ehepartner: Dikran Yesayan (Maler)
  • Tochter: Sofi Yesayan
  • Sohn: Hrand Yesayan
  • Freunde: Kayianne Madagyan (Pädagogin, Feministin), Sırpuhi Dussap (Schriftstellerin, Feministin), Arpiar Arpiaryan (Literat), Levon Paşalyan (Literat), Dikran Gamsaragan (Literat), Arşag Çobanyan (Herausgeber), Fehime Sultan (Tochter von Sultan Murat V., Regierungszeit, 30. Mai 1876 bis zum 31. August desselben Jahres), Maria Cheliga (französiche Feministin mit polnischer Herkunft), Hasan Fehmi Bey (Journalist)

Projekte zu ihrer Erinnerung

Dokumentarfilm Zabel Yesayan
Straße zu ihren Ehren

In Yerevan (Armenien) ist eine Straße nach Zabel Yesayan gewidmet.

Zabel-Yesayan-Archive

Im Archiv vom Charents Museum of Literature and Arts in Yerevan befinden sich persönliche Objekte von Zabel Yesayan, handschriftliche Dokumente, ihre Fotos und Dokumente des Gerichtsverfahrens, als sie in der armenischen Sowjetrepublik zur Zeit der stalinistischen Repression wegen ihrer politischen Ansichten angeklagt wurde.

Weiterführende Literatur

Quellen

Textquellen
  • Melissa Bilal, "Pagavan E (Yeter!): Zabel Yesayan'ın Barış Çağrısını Duyabilmek", Kültür ve Siyasette Feminist Yaklaşımlar, März 2009, No: 7
  • Hasmik Khalapyan, "Zabel Yesayan", Bir Adalet Feryadı – Osmanlı'dan Türkiye'ye Beş Ermeni Feminist Yazar 1862-1933 içinde, Lerna Ekmekçioğlu; Melissa Bilal (ed.), İstanbul, 2006.
Bildquellen

Danksagung

Das Frauenmuseum İstanbul bedankt sich bei Frau Melissa Bilal und dem Verlagshaus Aras Yayınevi, İstanbul, für die Unterstützung bei der Erstellung der Informationsseite von Zabel Yesayan.


Übersetzung ins Deutsche: Meral Akkent, Erlangen, Deutschland, Hatice Azizefendioğlu, Erlangen, Deutschland
Redaktion: Hans-Martin Dederding, Erlangen, Deutschland

©2012 Meral Akkent
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